Loveparade 2010 Duisburg

Mit erschüttern habe ich heute morgen die Bilder im Fernsehen von der gestrigen Katastrophe bei der Loveparade verfolgt. Natürlich spreche auch ich allen Angehörigen der Opfer mein Mitgefühl aus.

Wie es zu der Tragödie kommen konnte, darüber wird jetzt viel spekuliert. Ich habe mir auch gleich meine eigenen Gedanken über den Tunnel und die Menschenmassen darin gemacht und versucht das mal auch aus eigenen Erinnerungen an Konzertbesuchen grob zu überschlagen. Wie lange es ungefähr dauert, bis 24.000 Leute in so einem Stadion drin sind. Gut, das kann man vielleicht nicht direkt vergleichen aber das dauert auch mindestens 2 Stunden, bis 24.000 Leute in das Stadion geschleust sind und das über mehrere Eingänge. Die Besucher, die werden einzeln abgetastet, so ist das bei den Konzerten im Stadion.

24.000 Menschen, das habe ich mir ausgerechnet, da stehen auf einem Meter Breite, zwei Menschen nebeneinander und in der Tiefe von einem Meter etwa 3 Menschen hintereinander. Das ergibt 120 Menschen auf 20 Meter Breite und einem Meter Länge von dem Tunnel. Jetzt ist der Tunnel aber 200 Meter lang. Sprich, wenn der Tunnel mit Menschen ohne Gedränge gefüllt ist, dann befinden sich da ungefähr die 24.000 Menschen darin. Nun hat man aber auf den Bildern im Fernsehen gesehen, dass da wesentlich mehr Menschen in dem Tunnel standen und weder vor noch zurück gehen konnten.

Wie lange wird das ungefähr dauern bis etwa 24.000 Menschen den Tunnel passiert haben. Das habe ich mir auch ausgerechnet. Da komme ich auf etwa 40 Minuten bis 24.000 Menschen, die ausgelassen auf einem Musikfest feiern wollen, den Tunnel passiert haben könnten und auf dem Festgelände sind.

Das muss man sich mal vorstellen. Waren Sie auch schon mal irgendwo, wo sich die Menschenmassen vorwärts schieben. Bei uns auf dem Wurstmarkt, wenn da richtig viel los ist, dann kann man das mit der Loveparade von dem Gedränge her ungefähr vergleichen. Dann reichen 40 Minuten für eine Strecke von 200 Meter Länge einfach nicht aus. Wenn man sich da zwischen den anderen Menschenleibern befindet, dann kann es eben leicht passieren das man meint keine Luft mehr zum Atmen zu bekommen. Dann denkt man nur noch an eines, ich muss raus, sonst kippe ich einfach um. Und wenn dann noch eine brütende Hitze herrscht, dann umso schlimmer.

Wenn da einige Menschen dabei sind, die noch nicht mal was zum trinken haben, dann ist das nur verständlich, das die versuchten irgendwie aus der schrecklichen Situation so schnell wie möglich raus zu kommen. Und das die dann auf diese schmale Treppe geklettert sind, da kann man denen wirklich keinen Vorwurf machen. Da hätten Sie oder ich, sicherlich genauso gehandelt, wenn es um Ihr eigenes Leben geht. Zudem haben die sich sicherlich nicht absichtlich abstürzen lassen, sondern wurden von nachfolgenden abgedrängt.

Und warum sind die die Treppe hoch, eher weil die gesehen oder erkannten was sich in den nächsten Minuten für eine Tragödie abspielen wird. Wissen Sie, ob da nicht schon vorher Menschen am Boden lagen, die einfach umgekippt sind und die andern vielleicht deshalb versuchten, das Gelände so schnell wie möglich zu verlassen. Ich weiß das nicht, was ich weiß, ich hätte mir das in meinen Gedanken durchgespielt, wie das ist, wenn da 800.000 Menschen durch den Tunnel laufen sollen.

Die Geschwindigkeit mit der man durch den Tunnel bei so einem Fest läuft, die beträgt mit Sicherheit viel weniger als 6 Stundenkilometer. Da kommt man vielleicht auf 2 Stundenkilometer Geschwindigkeit, wenn man da auf ein Fest schlendert. Also legt man die Strecke von 200 Meter bei 2 Stundenkilometer in etwa einer Zeit von 5 Minuten zurück, wenn man nicht behindert wird. Und wenn man aus dem Tunnel raus kommt, dann ist man froh und will erst mal Luft holen und sich neu orientieren. Manch einer bleibt stehen weil er eine Pause benötigt. Der andere weil er seine Freunde sucht, die er unterwegs verloren hat. Und der nächste will einfach wieder zurück zum Ausgang, weil ihm die Menschenmassen zu viel geworden sind.

Diese Umstände, die muss man einfach alle berücksichtigen. Wenn man da eine Leitung baut, wo man Energie durchlassen will oder eine Flüssigkeit, dann rechnet man sich das doch auch aus, wie viel da durch die Leitung in einer gewissen Zeit strömen kann und man berücksichtigt dabei sogar die Temperaturen. Da macht man sich Gedanken beinahe ohne Ende.

Da komme ich einfach auf die 40 Minuten, bis 24.000 Menschen die in den Tunnel passen würden, diese Engstelle vernünftig hätten passieren können, bis die auf dem Festgelände wären. Vielleicht hätten da auch nur 20 Minuten ausgereicht, wenn man da keine Sicherheit einrechnen würde. Ich habe das so gelernt bei irgend einer Kalkulation oder Schätzung eine Sicherheit einzurechnen.

Auf 20 Minuten komme ich, weil die Menschen 5 Minuten brauchen um durch den Tunnel zu laufen. Plus 5 Minuten um sich neu zu orientieren. Und dann noch 10 Minuten bis die letztendlich auf dem Festgelände sind. Das muss sich ja hinter dem Tunnel auch auflösen mit den Menschenmassen und da würde ich eben die Zeit einplanen.

Wenn ich mir dann weitere Gedanken mache, die geplanten 800.000 Besucher von der Loveparade, wie lange hätte das in etwa gedauert bis die auf dem Festgelände sind. Man muss ja auch einplanen, das es da zu Spitzen kommen kann. Wann kommen die meisten Besucher angereist. Sowas muss man auch einplanen, wenn man so eine große Veranstaltung durchziehen will. Da gab es schon Loveparade´s wo 1,6 Millionen Menschen hin gegangen sein sollen. Im Fernsehen sagten die in den Nachrichten, auf dem Festgelände in Duisburg wär Platz für 250.000 Menschen. Das kann ja eigentlich nicht sein oder die im Fernsehen haben sich da vertan oder die von der Zeitung liefern falsche Zahlen von 800.000 Besuchern.

Jedenfalls bei meiner Rechnung, wenn 24.000 Menschen auch nur 20 Minuten an Zeit benötigen den Tunnel zu passieren um auf das Gelände zu gelangen, dann brauchen die eben eine Gesamtzeit von etwa, 800.000/24.000*20 Minuten lang. Das ergibt eine Zeitspanne von etwa 11 Stunden bis diese Menschen den Tunnel passiert hätten. Die Menschen, die das Gelände über den Tunnel verlassen wollen, nicht eingerechnet. Gut, jetzt kann man ja sagen die Loveparade sollte von 14.00 Uhr bis 24.00 Uhr dauern. Wenn da noch Leute nach 22.00 hin gehen, dann mag die Rechnung aufgehen wenn man den Zustrom der Menschen über die Dauer der Veranstaltung verteilt.

An dieser Rechnung, da sieht man doch schon, dass das irgendwie so nicht klappen kann. Selbst wenn man die Menschenmenge im Tunnel bei der Kalkulation noch um das doppelte erhöhen würde oder die Zeit für den Weg um die Hälfte verkürzen würde, was würde da für ein Ergebnis raus kommen. Das kann sich jeder mal selbst überlegen.

Ich habe lange überlegt, ob ich hier überhaupt was zu der Tragik schreibe. Einfach nur hin schreiben, es tut mir auch leid, und ich fühle den Angehörigen der Opfer mit, das kann ich nicht. Ich musste auch meine Überlegungen darstellen. Klar hinterher kann man immer sagen, ich hätte das anders gemacht. Solche Genehmigungen, die sollte man nicht nur der Verantwortung von Veranstaltern überlassen. Da sollten auch unabhängige Spezialisten darüber schauen lassen, ob man das zulassen sollte oder nicht. Das ist meine eigene Meinung zu dem schrecklichen Ereignis und das sich sowas hoffentlich nie mehr wiederholt.

Die Verantwortlichen, die müssten darauf drängen, das man die Loveparade wieder auf die Straße des 17. Juni in Berlin verlegt und das die für immer dort bleibt, egal wie viele Besucher da kommen. Das ist ja auch ein Ereignis für die Förderung der Tourismusindustrie. Dann sollen die halt die entstehenden Differenzbeträge übernehmen, wenn die Loveparade mal kein gutes Betriebsergebnis vorweisen kann.